Wie in einem Gartenhaus fühlt man sich hier ein bisschen. Nirgendwo sonst scheint bei uns so lange die Sonne und die Spalieräpfel wachsen geradezu ins Fenster hinein. Dass hier einmal ein Auto stand, kann man sich fast nicht mehr vorstellen.
Die Abmessungen unseres Gartenzimmers sind ungewöhnlich, um nicht zu sagen etwas «schräg». Da die Mauern von innen isoliert werden mussten, ist der ohnehin schmale Raum noch schlauchförmiger geworden: 2.60 m breit, 6 m lang und 2.00 m bis 3.90 m hoch.
Beim Blättern in Farbbüchern stiess ich immer wieder auf die Empfehlung, die kurze Wand am Ende des Zimmers in einer dunkleren Farbe zu streichen. Tatsächlich verkürzt das «Breakfast Room Green» (Farrow & Ball) den langen Raum und weitet ihn damit optisch.
Die gegenüberliegende hohe Wand ist in «Cornforth White», einem neutralen Schlammton gestrichen, die Seitenwände in «Strong White», einem leicht gedeckten Weiss. Während der Umbau von professionellen Händen gemacht wurde, haben wir uns bei der Möblierung selbst versucht. Das Regal besteht aus weiss lasierten Konstruktionsplatten, das Podest aus einem Balkengerüst. Um unauffälligen Stauraum zu haben, bauten wir für die Seite drei Schubladen, die auf Rollen laufen. Nur die Dielen haben wir am Ende doch vom Parkettleger aufs Podest legen lassen. Die Fronten habe ich mit Estate Eggshell in «Purbeck Stone» gestrichen. Das ist ein Farbton dunkler als «Cornforth White».
«Herrenzimmer» wäre eigentlich auch passend, denn während ich im Sommer im Garten abtauche, lässt mein Mann hier seine Gitarren aufheulen.
Vom Grün sieht man leider nicht mehr allzu viel, da sich Verstärker und Effektgeräte auf magische Weise zu vermehren scheinen. Aber darf ich klagen? Ich habe doch auch immer das Gefühl, es gäbe noch neue Pflanzen, die unbedingt zu uns in den Garten wollten …
Immerhin, seit wir über diesen schallisolierten Raum verfügen, habe auch ich wieder zur Musik gefunden. Nach fast zwanzigjähriger Pause nehme ich alle zwei Wochen Klavierunterricht. Und ab und zu gibt es Hausmusik à deux.
Die nostalgischen Illustrationen hat Tatiana Witte von Maiglück gestaltet. Fragt mich nicht, wie lange ich gebraucht habe, um sie in Petersburger Hängung zu platzieren …
Detailverliebt wäre nett ausgedrückt. Manches grenzt schon eher an Obsession. Über Wochen habe ich die verschiedenen Kissen in Online-Shops zusammengesucht und im Keller gehortet, bis das Zimmer endlich fertig war. Die kleingemusterten Kissen habe ich aus einer Tischdecke von Pip Studio selbst genäht. Den kleinen Plektrum-Tisch entdeckte ich bei Wow Props in Zürich, die gelbe Fifties-Leuchte – gebraucht – auf Ebay.
Die Kaminkonsole stand bei uns im Schlafzimmer. Wir hatten sie nur zur Probe ins Gartenzimmer geholt, da das Klavier wie ein Fremdkörper im Raum stand. Und siehe da, die Konsole brachte Alt und Neu zusammen. Die Anleitung für die DYI-Konsole habe ich auf Possibility Design, dem Blog einer Innenarchitektin, gefunden. Alles ist gut beschrieben, nur beim Zuschnitt haben wir etwas geändert. Unsere Deckplatte ist 26 cm tief, damit sie einen kleinen Vorsprung hat.
Die Farbe, eine matte Kreide-Emulsion (Carmelia 142), habe ich bei Anna Mangold gekauft.
Mein alter Klavierhocker war ursprünglich braun, mit einem beigen Samtbezug. Ich habe das Holz angeschliffen und im Schlammton des Podests gestrichen, absichtlich etwas shabby. Über den Bezug habe ich ein pinkfarbenes Geschirrhandtuch gespannt und auf der Rückseite fest getackert. Die Vorhänge habe ich selbst genäht, mit Leinenstoff der Manufaktur «Linen tales» aus Litauen.
Obwohl die schmalen, hohen Fenster tagsüber viel Licht hereinlassen, ist der Raum heimelig genug, um sich hier auch am Abend wohlzufühlen.
Unsere Lieblingszeit ist jedoch der Morgen, vor allem am Wochenende. Da können die Jungs ruhig lautstark im Haus herumtoben. Wir nehmen dann einfach unsere Kaffeetassen, huschen noch im Pyjama über die Veranda ins Gartenzimmer und schliessen die Tür hinter uns. Denn die Schallisolation funktioniert auch umgekehrt …
Ein wunderschönes Musikzimmer mit weiblicher Note. Die Vorhänge sind ein Traum!
Ich hatte es mir übrigens schon fast gedacht, habe ich doch irgendwo mal im Blog von den „Riffs“ gelesen. Die Gitarre ist im Übrigen auch ein Schmuckstück… da bekäme mein Chef ganz grosse Augen. Und ich bin gerade inspiriert!
Liebe Kathrin,
hab lieben Dank für Deinen Kommentar. Und ja, die Vorhänge, die hätte ich fast vergessen! Den schönen Leinenstoff habe ich auf Dawanda gefunden, im Shop von Natur-Leinen. Dieser Stoff schaut auch unter dem Täfer hervor, der wegen der Akustik nicht durchgehend ist.
Wünsche Dir einen schönen Abend!
Liebe Grüsse
Carmen
Liebe Carmen
Vielen herzlichen Dank für den Tipp mit den Vorhängen. Der Shop ist ja super. Ich habe lange nach einer guten Einkaufsgelegenheit für Leinen gesucht. Die Bettanzüge finde ich super.
Ja, die Akustik in Räumen ist für Musiker ein entscheidendes Thema. Ich mag mich noch vor Jahren an einen WG-Kollegen erinnern, der sein Zimmer vollständig mit Eierkartons ausgekleidet hatte. Optisch war es ein Grauen.
Herzliche Grüsse
Kathrin
Ein wunderbarer Raum ist das geworden. Vom hässlichen Garagenentlein zum schönen Schwan!
Ganz toll ist das Podest mit dem Klavier davor. Dies gliedert den langen Raum in verschiedene Bereiche!
Ich melde mich noch bei dir per Mail, ich sehe derzeit vor lauter Arbeit einfach keinen Horizont.
Lg Carmen, die andere…
Der Raum strahlt einen wirklich heimeligen Charme aus.
Von der Raumaufteilung hast Du den Raum auch wirklich super hinbekommen.
Viel Spass beim Musizieren.
Rosige Grüße von Christine
Sieht das gemütlich aus! Wirklich sehr schön!
Wünsch Dir ein schönes erstes Adventswochenende